Wie glücklich darf Deutschland sein?

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Vor einiger Zeit haben wir auf einer Veranstaltung die Deutsche Ministerin für Glück und Wohlbefinden kennengelernt. Und waren zunächst etwas enttäuscht, dass sie (leider noch) gar keine offizielle Stelle bekleidet sondern Kommunikationsdesignerin ist und das Thema ihrer Masterarbeit zum „Beruf“ gemacht hat.

Das Faszinierende daran ist, dass die selbsternannte Glücksministerin offenbar einen Nerv getroffen hat. Sie tourt mit ihrem Konzept durch Deutschland, veranstaltet Workshops, hält Vorträge und wurde u. a. von der Bundeskanzlerin zur Initiative „Gut leben in Deutschland“ eingeladen.

Dabei gibt es durchaus kritische Stimmen. Zum Beispiel die von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Ich halte es für gefährlich, eine staatliche Einrichtung haben zu wollen, die für mein Glück sorgen soll. Wo Staat und Politik sich für das Glück der Menschen zuständig erklären, da sind wir schnell in einer Diktatur...Die Zuständigkeit der Politik endet schon vor den Gedanken der Menschen und weit vor den Herzen.“

Andererseits ist es ja auch nicht die Aufgabe von Wirtschafts- und Finanzministerium, dafür zu sorgen, dass die Bürger reich und erfolgreich werden (auch wenn manche das gerne hätten). Im Idealfall schafft die Regierung Rahmenbedingungen, die ein gutes Leben ermöglichen. Aber vielleicht liegt es ja auch daran, dass der Begriff „Glück“ in Deutschland häufig als Synonym von „Zufall“ verwendet wird. Während z. B. in den USA das „Streben nach Glück“ in der Gründungsurkunde verankert ist.

In Deutschland haben wir das Glücksgefühl mit einem ganz pragmatischen Wort gedeckelt. Erst heute haben wir wieder eine entsprechende Werbezeile gelesen: „Ihre Zufriedenheit ist unser Ziel“. Zufriedenheit – das ist, wenn es gerade so passt und man keinen Grund zum Jammern hat. Für viele schon das höchste der Gefühle.

Der jährliche „Gallup Engagement Index“, der Chefs und Personalern aufzeigt, wie (wenig) eng die emotionale Bindung der Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen ist, misst denn auch die Mitarbeiter... – genau – ...zufriedenheit. Man stelle sich vor, die Unternehmen würden aufhören, ihre Mitarbeiter zufriedenstellen zu wollen und sie mal befragen, was sie bräuchten, um bei der Arbeit glücklich zu sein. Zugegeben, eine gewagte Vorstellung für beide Seiten. Aber ein Anfang, unser Bewusstsein darauf zu richten, was wirklich wichtig ist.

Das Ziel des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden ist die Steigerung des Bruttonationalglücks in Deutschland. Wir finden das eine tolle Idee. Und fangen mal bei uns an.

Bildquellen: Ministerium für Glück - www.ministeriumfuerglueck.de