Männer, wir müssen reden

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Das aus unserer Erfahrung häufigste Problem in heterosexuellen Paarbeziehungen lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Männer wünschen sich von ihren Frauen mehr körperliche Nähe in Form von Zärtlichkeit und Sex. Frauen wünschen sich von ihren Männern vor allem Gespräche und verständnisvolles Zuhören, kurz – mehr Kommunikation. Warum diese so simpel scheinende Forderung doch so häufig unerfüllt bleibt, hat mit dem unterschiedlichen Kommunikationsverhalten der Geschlechter zu tun. Ein erster Schritt zur Lösung dieses Problems ist daher, zunächst ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie der Partner in Sachen Kommunikation tickt. Und wie man so mit ihm oder ihr kommuniziert, dass man bekommt, was man gerne hätte.

Die männliche Kommunikation

Warum reden Männer so wenig? Ganz einfach: Weil es nicht mehr braucht. Die männliche Kommunikation ist vor allem zielgerichtet und effizient.

Wenn Männer sich privat mit anderen Männern treffen, dient dies meist einem anderen Zweck als dem Treffen allein (achtet mal darauf!), z. B. gemeinsamer Sport oder das Abschalten vom Alltag in Kneipe oder Kino. Und es ist keine Seltenheit, wenn sich aus den dort stattfindenden Gesprächen konkrete Lösungen für Probleme oder neue Geschäftskontakte ergeben. Männer schaffen Bündnisse.

Ein für Frauen interesssantes Phänomen: Wenn Männer sich getroffen hat, können sie danach nicht unbedingt sagen, wie es dem anderen geht. Weil sie schlichtweg nicht gefragt haben.

Männer denken vertikal. Ihre Ausrichtung ist es, sich nach oben hin zu verbessern. Sei es beruflich, sportlich oder mit ihrem persönlichen Skillset. Dazu ist Kommunikation für sie ein nützliches Werkzeug. Wenn Männer ein Problem haben, suchen sie nach einer Lösung. Meistens alleine. Und dann suchen sie das nächste Problem.

Die weibliche Kommunikation

Warum reden Frauen vergleichsweise viel mehr? Auch Frauen kommunizieren mit einem ganz bestimmten Ziel. Nämlich dem, Nähe zu ihren Gesprächspartnern herzustellen.

Frauen denken horizontal. Sie nutzen Kommunikation, um Verbundenheit zu anderen aufzubauen, um so ihr persönliches Netzwerk zu knüpfen und zu stablisieren. Frauen sind sozialer ausgerichtet und interessieren sich mehr für den anderen. Frauen schaffen Bindungen.

Wenn Frauen sich privat mit anderen Frauen treffen (und es dürfen gerne auch mehrere auf einmal sein – was bei Männern seltener ist), ist ihre Zielsetzung vor allem, sich mal wieder zu treffen. Frauen brauchen dafür keinen weiteren Anlass, denn sie treffen sich ja vor allem, um zu kommunizieren.

Wenn Frauen ein Problem haben, kann es durchaus sein, dass sie zunächst einmal darüber sprechen wollen. Verständnis und Mitgefühl für ihre Situation sind ihnen im ersten Schritt manchmal wichtiger als eine schnelle Lösung.

Wie beide zusammenkommen

Männer und Frauen sind anders. Das ist nichts Neues, aber dennoch sind viele Paare verblüfft, wie anders ihr Partner doch ist. Frauen und Männer denken und handeln nicht nur in vielen Dingen anders. Sie „können“ teilweise gar nicht anders.

So haben beispielsweise Männer nicht so einen leichten Zugang zu ihren Gefühlen wie Frauen. Und Frauen tun sich aufgrund ihres vernetzten Denkens schwerer als Männer, Dinge isoliert zu betrachten. Beides hat seine Vorteile. Die grundsätzliche Annahme, der/die andere müsse genau so denken (können) wie man selbst, führt allerdings zu zahlreichen Missverständnissen.

Wer verstanden hat, dass der andere eben auch anders denkt und auf andere Art und Weise kommuniziert, kann sich viel eher auf ihn oder sie einlassen. Das ist der erste Schritt. Für den nächsten haben wir zwei einfache Empfehlungen.

Männer, hört Euren Frauen einfach zu!

Wenn Ihre Partnerin mit Ihnen reden will, hören Sie ihr einfach mal zu. Fragen Sie sich nicht gleich, wo das hinführt, was für Sie drin ist und widerstehen Sie Ihrem Reflex, gleich nach einer Lösung zu suchen. Manchmal ist der Weg hier das Ziel und nicht alles, was sich für Sie nach einem Problem anhört, ist auch eins und muss gelöst werden.

Was Sie machen können: Fragen Sie Ihre Partnerin ruhig, mit welcher Absicht sie Ihnen das erzählt. Ob sie Ihre Meinung hören will, eine Lösung wünscht oder Sie einfach nur an ihren Gedanken teilhaben lassen will. Und wenn Sie mal einfach nicht reden wollen, ist das auch ok. Treffen Sie eine Vereinbarung darüber. Das kann für Sie beide die Kommunikation viel entspannter machen.

Frauen, gebt Euren Männern einen Auftrag zum Zuhören!

Wenn Sie sich mehr Kommunikation mit Ihrem Partner wünschen, dann geben Sie ihm ein „Wozu“! Fragen Sie, ob ihm ein Gespräch gerade passt (es sei denn natürlich, es ist etwas wirklich dringendes). Und dann sagen Sie vorab, was Sie von ihm wollen: z. B. „Ich brauche jetzt noch keine Lösung, ich möchte mich einfach aussprechen und will Dich als Zuhörer“. Oder „Ich würde Dir gerne was erzählen (und hätte gerne Deine Meinung dazu).“. Oder eben: „Ich hab da ein Problem und hätte dabei gerne Deine Hilfe.“

Etablieren Sie regelmäßige Treffen, bei denen Sie sich austauschen und sorgen Sie dabei für einen angenehmen Rahmen, vor allem aber überlegen Sie sich vorher Themen, über die Sie sprechen wollen. Damit geben Sie Ihrem Mann eine klare Ausrichtung.

 

„Eine Beziehung passt sich nicht den Umständen an, sondern der Art und Weise, wie sie geführt wird."  Werner Erhard

 

Gelten diese Beobachtungen und Empfehlungen für alle Paare? Nein. Aber – aus unserer Erfahrung als Paarcoache (und als Paar!) – für die meisten. Sicher: Es gibt Ausnahmen. Und wir sind ebenso sicher, dass sich sehr viele Paare in dieser Schilderung wiederfinden.

Aber haben wir nicht eigentlich etwas vergessen? Wir haben jetzt eine Idee, wie Frauen zu mehr Nähe durch Kommunikation kommen. Aber wie kommen Männer zu mehr körperlicher Nähe? Oft bedingt das eine Thema das andere. Wenn „mehr reden“ jedoch nicht ausreicht, dann unterstützen wir Sie gerne in einem Paarcoaching.

Noch mehr spannende und erkenntnisreiche Einblicke in die Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt es in dem sehr unterhaltsamen Vortrag von Vera F. Birkenbihl auf YouTube: "Männer – Frauen: Mehr als der sogenannte kleine Unterschied".

Bildquellen: saimen/willma - www.photocase.de